Die wichtigsten Ordensgemeinschaften Österreichs sind die Jesuiten, die Benediktiner, die Franziskaner, die Augustiner Chorherren, die Steyler Missionare und die Salesianer Don Boscos. Die wichtigsten Frauenorden Österreichs sind die Benediktinerinnen, die Franziskanerinnen und die Barmherzigen Schwestern.

Jesuitenkirche Wien
Jesuitenkirche Wien

Die Jesuiten

1534 gelobten der Baske Ignatius von Loyola und seine Gefährten am Montmartre in Paris eine Wallfahrt mit anschließender Seelsorgearbeit in Jerusalem und stellten sich 1537 Papst Paul III. zur Verfügung. 1539 gründete Ignatius von Loyola den größten Männerorden der katholischen Kirche, die Societas Jesu (SJ), der 1540 von Papst Paul III. als Gemeinschaft „päpstlichen Rechts“ zugelassen wurde. Die Brüder verstehen sich als Männer, die in Freundschaft zu Jesus Christus leben, besitzlos, ehelos, gehorsam und besonders gehorsam gegenüber dem Papst sind. Ignatius von Loyola verstand sich als Pilger mit dem Prinzip des Unterwegsseins, des Wachsens und Lernens als Leitidee seiner Spiritualität. 

Bildungsarbeit der Jesuiten

Bei den Jesuiten soll jeder nach seinen Vorstellungen Gebet und Andacht ausüben. Das kann in einem der großen Ausbildungshäuser (Kollegien) sein, in einer kleinen Wohngemeinschaft oder gar ganz allein. Das Ordenssymbol ist das Monogramm IHS. Es steht für die ersten drei Buchstaben des Namens Jesu in griechischer Schrift. Höchstes Organ des Jesuitenordens ist die Generalkongregation. Sie entscheidet über die Geschicke des Ordens. Seit der Gründung 1539 haben 35 Generalkongregationen stattgefunden, die letzte 2008. Ein Schwerpunkt der Jesuiten ist die Bildungsarbeit. Der Orden betreibt Schulen, die geistliche Begleitung von Laien, die Sozial- und Flüchtlingsarbeit sowie die Medienarbeit.

Der Papst ein Jesuit

Jorge Mario Bergoglio, Papst Franziskus, ist ein Mitglied des Jesuitenordens. In den Provinzen haben jedoch die Provinziäle das Sagen. Die Österreichische Provinz des Jesuitenordens wurde 1563 eingerichtet. Die erste Niederlassung der Gesellschaft Jesu in Österreich erfolgte im Jahr 1551 auf Einladung von König Ferdinand I. Der Orden errichtete ein Kolleg und übernahm in der Folge die Führung der Wiener Universität.

Ferdinand I. ruft die Jesuiten nach Wien

Der junge Jesuitenorden hat sich der „Rettung der Seelen“ verschrieben. Claudius Jajus, ein Gefährte des Ordensgründers Ignatius von Loyola, begründete am Augsburger Reichstag des Jahres 1550 eine Interessensgemeinschaft. Der Landesherr war im Begriffe seine auf katholischer Basis beruhende Herrschaft zu konsolidieren. In der Gesellschaft Jesu hatte er einen potenten Partner gefunden, der als „Retter“ des in Verfall geratenen katholischen Bildungswesens auftreten konnte. 

Die Gesellschaft Jesu betrachtete die Jugendarbeit als ihre Hauptaufgabe. Den verworrenen konfessionellen Verhältnissen in den katholischen Gebieten des Reiches sollte mit einer „inneren Mission“ begegnet werden. Dazu wollte man sich der formbaren Jugend annehmen. Der Ordensgründer Ignatius von Loyola meinte, „daß er gegen die allgemeine deutsche Krankheit kein trefflicheres Mittel kenne, als die Verwendung tadelloser und religiöser Männer an den Hochschulen“. 

Die Einladung König Ferdinands zur Gründung eines Jesuitenkollegs in Wien begrüßte Ignatius als eine Eingebung Gottes. Für die Kollegsgründung erbat Ferdinand die Entsendung von zwei Ordensmitgliedern, die auch an der Theologischen Fakultät lesen sollten. Claudius Jajus kam als erster am 25. April 1551 aus Ingolstadt nach Wien, bald danach traf eine weitere Gruppe von 11 Jesuiten aus Rom ein. Die Patres begannen sofort ihre Vorlesungen an der Theologischen Fakultät und eröffneten am 4. März 1553 in einem Teil des Dominikanerklosters ein Gymnasium. Claudius Jajus berichtete nach Rom, es gäbe an der Universität „zwar gute Professoren der Humaniora, des Griechischen, des Hebräischen, der Philosophie, der Medizin und des Rechts“, doch wären diese zum Teil der „Häresie“ verdächtig und dass Universitätslehrer, die nicht „treue Katholiken“seien, entlassen werden sollten. Alle Fächer außer Recht und Medizin sollten im Jesuitenkolleg als öffentlich zugängliches Studium etabliert werden.

Petrus Canisius' Universitästreform

Zu gleicher Zeit erreichte Ferdinand I. die Entsendung von Petrus Canisius nach Wien zur Weiterführung der Universitätsreform. 1553 sprach sich Canisius für eine systematische Ersetzung aller Nichtkatholiken an der Universität und die Entlassung „häretischer“ Professoren aus. Canisius erreichte auch, dass der Leiter der Schule der protestantischen Stände, Nikolaus Polites aus Brüssel, der Professor der Artistenfakultät war, eingekerkert und des Landes verwiesen wurde. In einem Brief an den Ordensgeneral bedauerte Canisius die „Milde“ der Bestrafung. Sie würde das Wachstum der „verdammten Seuche unter den Professoren und Studenten“ begünstigen, während die Universität „Ungeheuer und Gottlose“ ernähre.

Petrus Canisius' Katechismus

Petrus Canisius, der 1553 Hofprediger von Ferdinad I. wurde, veröffentlichte 1555 einen Katechismus, der auf Befehl von Ferdinand I in allen Schulen öffentlich vorgetragen werden mußte, kein anderer bei strengster Bestrafung.

Die Pragmatische Sanktion

Am 9. August 1623 übertrug Kaiser Ferdinand II. mit einer Pragmatischen Sanktion, einem feierlichen Gesetzgebungsakt, den Jesuiten die Lehrkanzeln der Theologischen und der Philosophischen Fakultät und beauftragte sie, an der Stelle des alten Herzogskollegs, dem ersten Wiener Universitätsgebäude aus dem Jahre 1384, das Herzog Albrecht III. der Universität stiftete, und einiger sogenannter Bursen, von der Universität kontrollierte Studentenhäuser, ein neues Akademisches Kolleg samt Kirche zu errichten. Daraufhin wurden zwischen 1623 und 1655 die mittelalterlichen Universitäts- und Studentenhäuser abgerissen und das erste Jesuitenkolleg im römisch-deutschen Reich, ein Gebäudekomplex, der das Kolleg, Collegium academicum, die Universität, die Universitätskirche und das Jesuitengymnasium umfasste, errichtet. Das Wiener Jesuitenkolleg hatte Modellcharakter und diente als Schaufenster der Gesellschaft Jesu im römisch-deutschen Reich.

Langraum in der Jesuitenkirche in Wien
Langraum in der Jesuitenkirche in Wien

Der Bau der ehemaligen Universitätskirche, heute die Jesuitenkirche, Anfang des 17. Jahrhunderts in Wien war prägend für mehrere Jesuitenkirchen Europas. Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Umgestaltung des Raumes durch den Barockarchitekten und Maler Andrea Pozzo mit neuer Gliederung und malerischer Ausstattung, sodass die Jesuitenkirche zu einem der prunkvollsten Kirchenräume des Barock in Wien wurde. Die 4 Joche des Saalraumes enthalten Deckenmalereien, das 3. Joch eine Scheinkuppel, eine Trompe-l’œil-Deckenfreske, die den Eindruck einer Kuppel macht, etwas wofür der Italiener Andrea Pozzo bekannt war, der darüberhinaus dem Jesuitenorden als Laienbruder angehörte.

Konvikte statt Bursen

Dabei orientierte man sich am Spanischen Kolleg in Bologna, dem Collegio di Spagna, einem ein Palast im Zentrum von Bologna, der im Mittelalter spanischen Studenten als Universitätskolleg diente. Streng geführte Konvikte, katholische Internate, ersetzten die Bursen. An der Stelle der Lammburse, die als Geldstipendium weitergeführt wurde, wurde vom Baumeister Paulus Konecny die Jesuitenkirche errichtet. Kaiser Ferdinand II. bezahlte für Kirche und Kolleg insgesamt 87.000 Gulden. 1631 wurde die Jesuitenkirche von Franz Seraph Kardinal von Dietrichstein, Bischof von Olmütz, ein Verfechtern der Gegenreformation, den Heiligen Ignatius und Franz Xaver als ein Denkmal der siegreichen Gegenreformation in Österreich geweiht. 

hochaltar und kanzel in der Jesuitenkirche wien
Hochaltar und Kanzel in der Jesuitenkirche Wien

Der Hochaltar wurde nach einem Entwurf von Andrea Pozzo errichtet. Er besteht aus einer Baldachinarchitektur mit korinthischen Säulen, schwerem Gebälk und gesprengten Segmentgiebel. Darüber sind monumentale Engelsfiguren, die den Stoffbaldachin mit Krone und Inschriftmedaillon halten. Das indirekt beleuchtete Hochaltarbild, Mariae Himmelfahrt von Andrea Pozzo, ist in einer gerahmten Rundbogenöffnung in den Apiserker zurückversetzt.

Jesuiten in Innsbruck

Aufgrund einer Pragmatischen Sanktion Kaiser Ferdinands II. wurde 1622 das Wiener Jesuitenkolleg also „unwiderruflich“ in die Universität inkorporiert und damit alle Rechte in die Hände der Jesuiten gelegt. Wilhelm Lamormaini übernahm zwischen 1622 und 1624 das Amt des Rektors des Wiener Jesuitenkollegs. Als enger Vertrauter Ferdinands II. wirkte er entscheidend an der Inkorporation des Jesuitenkollegs in die Universität Wien mit. Auch die bauliche Umgestaltung des mittelalterlichen Universitätsviertels geschah unter seinem Einfluss. Das war das Ende des Herzoglichen Kollegs, des „Collegium ducale“, des ersten Wiener Universitätsgebäudes, das 1384 von Herzog Albrecht III. gestiftet wurde. An seiner Stelle und an der Stelle mehrerer Bursen errichtete die Gesellschaft Jesu das neue „Collegium Academicum Viennense“ mit der Universitätskirche, dem Gymnasium, der Bibliothek und dem Jesuitentheater. Das Kolleg, und insbesondere die neue Kirche, wurden als Trophäe der siegreichen Gegenreformation gefeiert.

Mit der Sanctio pragmatica hatte die Gesellschaft Jesu in Wien ihr erklärtes Ziel erreicht und dem Leitbild ihres Ordensgründers entsprechend ein Gesamtkonzept im Bereich der Bildungs- und Jugendarbeit durchgesetzt, das einen vollständigen, systematisch aufgebauten Bildungsweg vom Elementarunterricht bis hin zur Theologie vorsah, ein Konzept, das in der jesuitischen Studienordnung, der „Ratio studiorum“ (1599), festgelegt worden ist.

Die Lehrtätigkeit und wissenschaftlichen Aktivitäten der Universität wurden den pastoralen und theologischen Zielen des Ordens untergeordnet. 1562 wurde auch in Innsbruck ein Jesuitenkolleg mit Schulbetrieb begründet. 1569 entstand ein weiteres Jesuitenkolleg in Hall in Tirol. Die Jesuiten, die als „Retter der Universität“ nach Wien berufen worden waren, waren zum Dominator geworden.

Quelle: Petrus Canisius, Wanderer zwischen den Welten, von Matthias Moosbrugger, erschienen im Tyrolia Verlag 2021

Die Benediktiner

Die Benediktiner sind der älteste katholische Orden. Sie wurden 529 von Benedikt von Nursia in Monte Cassino, dem Mutterkloster aller Benediktiner an der Stelle einer früheren römischen Befestigungsanlage, gegründet. Benedikt von Nursia verfasste eine Klosterregel, ora et labora et lege, bete und arbeite und lies, welche die Grundlage für den Benediktinerorden ist. Zu den ältesten Niederlassungen im heutigen Österreich zählen St. Peter in Salzburg, um 696, Mondsee 742, Kremsmünster 788 und Michaelbeuern bei Salzburg 977. Das älteste Benediktinerkloster in Wien, das Schottenkloster, wurde 1155 gegründet.

Benediktiner Klöster

Weitere bekannte Benediktinerklöster in Österreich sind das Stift Admont, das Stift Carsten, das Stift Göttweig, das Stift Lambach, das Kloster Maria Plain, ein Wallfahrtsort in der Gemeinde Bergheim nördlich von Salzburg, das Stift Sankt Lambrecht und das Stift Seitenstetten. Die meisten Benediktinerklöster besitzen auch Schulen. 1930 wurden die österreichischen Benediktinerklöster unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit in einer Kongregation zusammengefasst. Vom weiblichen Ordenszweig, den Benediktinerinnen, ist das Kloster Nonnberg in Salzburg (Ende siebtes Jahrhundert gegründet) das älteste. 

Benediktinische Klosterkultur im Barock

Damit in allem Gott verherrlicht werde. Eine Blütezeit der Benediktiner liegt im Barockzeitalter (17./18. Jahrhundert). Damals entstanden „Klöster-Schlösser“, die Zentren des Barocktheaters, des Ordensdramas sowie der Wissenschaften und Künste wurden. Angestrebt wurde eine gleichmäßig-symmetrische Klosteranlage in der Art einer Herrschaftsresidenz mit festlichem Marmor- oder Kaisersaal, Bibliothek, Stallungen und Wirtschaftsgebäuden sowie Gartenparterre um die Konventkirche im Zentrum. Diese Idealvorstellung ging auf das formale Schema des spanischen Escorials zurück.

Wo steht der Escorial?

Der Habsburger Philipp II., König von Spanien, ließ 1563 nach Plänen Juan Bautista de Toledo etwa 45 km nordwestlich von Madrid einen Klosterpalast, den Escorial, den größte Renaissancebau der Welt, errichten, den man als Sinnbild für die habsburgische Herrschaftsideologie verstehen kann. Der Escorial ist das gebaute Symbol für den Anspruch der Dynastie auf Weltherrschaft, die unbeschränkte Macht des Monarchen und die Unerschütterlichkeit des katholischen Glaubens. Die schmucklosen Fassaden aus hellgrauem Granit strahlen Strenge und Unnahbarkeit aus. Der Mensch sollte sich klein und hilflos fühlen angesichts der kolossalen Monumentalität, geformt durch den Willen des Monarchen. Der Escorial ist zugleich Palast und Kloster, die architektonische Entsprechung der Idee des allumfassenden monarchischen Gottesgnadentums. 

kaisertrakt klosterneuburg
Kaisertrakt vom Stift Klosterneuburg

Der österreichische Escorial

1620 nach dem Sieg der Katholischen Liga in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag setzte auch in den habsburgischen Erblanden ein „klösterlicher Bauboom“ ein. Kaiser Karl VI., der Vater von Maria Theresia, plante in Klosterneuburg unter Propst Ernest Perger ein österreichisches Escorial nach Entwürfe von Jakob Prandtauer entstehen zu lassen. Das in unmittelbarer Nähe zu Wien gelegene Stift war dank seiner Ursprünge als dynastische Gründung der Babenberger dafür prädestiniert, beherbergte es doch das Heiligtum des österreichischen Landespatrons, des heilig gesprochenen Markgrafen Leopold III., der vom Hause Habsburg stark verehrt wurde und symbolisierte die spirituellen Fundamente der „Monarchia Austriaca“. Nach dem Tod Kaiser VI. 1740 wurden die Bauarbeiten eingestellt und nur die bereits bestehenden Bereiche fertig ausgestattet, wie z.B. der Marmorsaal im Stift Klosterneuburg mit dem mehrteiligen Kuppelfresko, Die Glorie des Hauses Österreich, von Daniel Gran, dem österreichischen Hofmaler des Barock, der auch in Italien studierte. Trotz der Unfertigkeit des Projektes gibt es dennoch eine Ahnung vom ideologischen Programm habsburgischer Macht.

teichgarten über tiefgarage stift klosterneuburg
Teichgarten am Fuße des Kaisertraktes Stift Klosterneuburg

Stift Klosterneuburg liegt nordwestlich von Wien in der Stadt Klosterneuburg an der Donau in Niederösterreich. Auf dem Areal des Stiftes, vor dem Kaisertrakt, liegt der Teichgarten über der Tiefgarage. Über den Teichgarten führt ein Weg zum Besucherzentrum, der revitalisierten Sala terrena im Kaisertrakt. Der große Garten ist mit Grasbändern und Beeten in Lilienform – das Symbol der Chorherren – angelegt, eine biblische „Lilie des Feldes“.

Stift Klosterneuburg gehört zu der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren und geht auf eine Stiftung des frommen österreichischen Markgrafen Leopold III., Sohn von Markgraf Leopold II. und dessen Gemahlin Ida aus dem Haus der Babenberger, Markgraf der bairischen Marcha orientalis (Ostarrîchi), Heiliger der römisch-katholischen Kirche, Landespatron von Wien und Niederösterreich, begraben in der Leopoldskapelle des Stifts Klosterneuburg, zurück. 

Warum wurde Leopold III. heilig gesprochen?

Unter Kaiser Friedrich III. 1485 gelang nach 150 Jahren die Heiligsprechung von Leoplod III. aufgrund von Wunder am Grabe des Markgrafen, wobei das Interesse der Habsburger an der Heiligsprechung wohl ausschlaggebend gewesen sein dürfte. Sein Festtag ist der 15. November, der mit einem Leopoldi-Fest mit „Fassl-Rutschen“ gefeiert wird. Der aus Passau stammende Maler Rueland Frueauf d. J. schuf um 1500 zu Ehren des Heiligen den „Leopold Altar“ in Klosterneuburg. Dabei ist vom „Leopold Altar“ vor allem die „Sauhatz“ berühmt. Die drei anderen Altartafeln zeigen Leopold und Agnes. Vom Heiligen Leopold schuf Frueauf auch ein zweieinhalb Meter hohes Tafelbild, das ihn mit dem Modell der Stiftskirche in der Hand zeigt.

Stiftsmuseum

Das Museum des Stiftes Klosterneuburg zählt zu den ältesten Museen der Welt. Es wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz begründet und es ist vor allem für seine Sammlung mittelalterlicher Kunst bekannt. Zu den wichtigsten Werken zählen der Verduner Altar, ein Emailwerk, das von Nikolaus von Verdun 1181 gefertigt wurde, der sog. große Albrechtsaltar (um 1438), eine der bedeutendsten Schöpfungen des „gotischen Realismus“ in Österreich, Werke von dem Passauer Maler Rueland Frueauf d. J. (um 1500), sowie der Babenberger-Stammbaum (um 1490).

Darüber hinaus beherbergt das Museum bedeutende Beispiele gotischer Skulptur, wie etwa die berühmte „Klosterneuburger Madonna“ (um 1300). In der Schatzkammer des Stiftes befindet sich ein Exemplar des der Österreichischen Erzherzogshutes.

Österreichischer Erzherzogshut
Österreichischer Erzherzogshut

Erzherzoge gab es nur in Österreich, wobei die Silbe „Erz“ eine hervorgehobene Stellung bedeutet. Der Erzherzog hatte den Vorrang vor den gewöhnlichen Herzögen im Reich. Rudolf IV. schuf den Titel eines Erzherzogs von Österreich durch die Fälschung des Privilegium Maius und ließ die einer Königskrone ähnliche Herrschaftsinsignie anfertigen.

Erzherzog Maximilian III. stiftete ein Exemplar eines Österreichischen Erzherzogshutes und übergab es 1616 dem Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg als Landeskrone des Erzherzogtums Österreichs und als „Symbol der Einheit der österreichischen Erblande“. Die Insigne wird seither im Stift Klosterneuburg aufbewahrt und in der Schatzkammer den Besuchern zur Schau gestellt.

schleiermonstranz
Schleiermonstranz

In der Schatzkammer des Stiftes Klosterneuburg befindet sich auch die sogenannte Schleiermonstranz. Sie wurde nach einem Entwurf von Matthias Steindl von 1710 – 1714 von Johann Baptist Känischbauer von Hohenried ausgeführt. Sie wurde zum 600-Jahr-Jubiläum des Stiftes Klosterneuburg in Auftrag gegeben und sollte die Gründungslegende darstellen. Sie ist die größte und prächtigste unter allen barocken Monstranzen Österreichs und stellt einen Höhepunkt der barocken Goldschmiedekunst dar. Die Monstranz selbst ist ein Holunderbaum. Oberhalb des Knaufes, der wie ein Baumknollen gebildet ist, teilt sich der Stamm und umschließt das Gefäß für die Hostie. Die Blütendolden des Holunders sind aus kleinen Perlen gebildet. In den Zweigen oberhalb der Lunula, dem gläsernen Gefäß für die Hostie, hat sich der Schleier verfangen.

Schleier Legende

Das ist die berühmte Legende von der Gründung des Stiftes Klosterneuburg. Als sich Markgraf Leopold III. und seine ihm frisch angetraute Gemahlin Agnes von Waiblingen, eine Tochter des römischen Kaisers Heinrich IV., im Schloß auf dem Kahlenberg anno 1106 an einem offenen Fenster aufhielten, wurde der Schleier der tugendsamen Gemahlin durch einen Windstoß erfaßt und in den nahe an der Donau liegenden finsteren Wald getragen, wo er auf einem Hollerbaum ausgebreitet durch die bellenden Jagdhunde des Markgrafen gefunden wurde.

Markgraf Leopold III. hat durch das Auffinden des Schleiers erkannt, daß ihm dieser Ort für die Erbauung des von ihm vorgesehenen Gotteshauses auf wunderbare Weise gezeigt wurde. Am 12. Juli 1114, wurde deshalb an diesem Ort, wo die Hollerstaude mit dem Schleier gefunden wurde, der Grundstein für das Stift Klosterneuburg gelegt. Der Schleier ist bis zum heutigen Tag als ein Loszeichen des gestifteten Gotteshauses unter anderen Reliquien in Klosterneuburg verwahrt. 

Leopoldbrunnen im Stift Klosterneuburg
Leopoldbrunnen im Stift Klosterneuburg

Im Bereiche des Altstiftes von Klosterneuburg befindet sich der Leopoldihof, ein Innenhof, der auch „Kuchlhof“ genannt wird, da sich hier einst die Stiftsküche befand. Betreten wird der Leopoldihof durch eine gotische Torhalle aus dem 14. Jahrhundert. In der Mitte des Hofes befindet sich der Leopold Brunnen, der aus dem Jahre 1592 stammt mit einer Figur des heiligen Leopold, der von Matthias Artner 1680 geschaffenen Darstellung des heiligen Leopold. Neben Klosterneuburg gründete Leopold III. auch Stift Heiligenkreuz und Klein-Mariazell und baute Melk aus.

wassergraben stift kremsmünster
Wassergraben im Stift Kremsmünster

Der trockene Wassergraben im Stift Kremsmünster war Teil der mittelalterlichen Befestigungs­anlage. Er wird von der  Portierbrücke überspannt, die zum Eingang in den Prälatenhof führt. Stift Kremsmünster ist ein Kloster der Benediktiner. Abt des Stiftes Kremsmünster ist seit 2007 Ambros Ebhart, Prior ist seit 2013 P. Maximilian Bergmayr.

Die Gründung von Stift Kremsmünster erfolgte im Jahr 777 druch den bayerischen Herzog Tassilo III., Sohn von Herzog Odilo, der vor 700 geboren wurde und am 18. Januar 748 verstarb und der fränkischen Prinzessin Hiltrud. Tassilo III., geboren um 741, gestorben um 796, war ein Vetter Karls des Großen und baierischer Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Die Agilolfinger waren eine vermutlich fränkische Adelsfamilie, die seit dem 6. Jahrhundert Herzöge von Baiern und Alamannien (Schwaben) und Könige der Langobarden stellte.

brückenwächter benedikt und johannes nepomuk
Die Brückenwächter Benedikt und Johannes Nepomuk

Die Hauptresidenz der Agilolfinger in Bayern befand sich in Regensburg. Der Sohn Tassilos, Gunther, soll der Legende nach während eines Jagdausrittes von einem Eber angefallen und getötet worden sein. Die Gunther-Grabplatte ist um 1300 aus der weißen Kremsmünsterer Nagelfluh gefertigt worden. Die Grabplatte ist im südlichen Läuthaus auf einem Sockel als Hochgrab gelagert. Der kapellenartige Raum ist gegen das rechte Seitenschiff der Stiftskirche mit einem Eisengitter abgeschlossen.

Der Traungau war von Bajuwaren und Slawen besiedelt und lag ganz im Osten des bairischen Stammesherzogtums, zu dem er bis 1180 gehörte. Das bairische Stammesherzogtum war Vorläufer des Herzogtum Bayerns, ein Herzogtum innerhalb des Heiligen Römischen Reiches, das im Wesentlichen im Gebiet des heutigen Freistaats Bayern lag. Haupt- und Residenzstadt war München.

Bei der Gründung von Stift Kremsmünster am 9. November 777 nahmen Bischof Virgil von Salzburg, Bischof Simpert von Regensburg, Bischof Waldrich von Passau sowie die Äbte von Mondsee und Niederalteich teil. 

seitenschiff der stiftskirche Kremsmünster
Südliches Seitenschiff der Stiftskirche Kremsmünster

Der trockene Wassergraben im Stift Kremsmünster war Teil der mittelalterlichen Befestigungs­anlage. Er wird von der  Portierbrücke überspannt.

verklärung christi
Verklärung Christi am Hochaltar von Kremsmünster

Transfiguration, die Verklärung Christi bezeichnet ein Offenbarungsereignis, das nach dem Zeugnis der Evangelien drei Apostel erlebt haben, als sie Jesus Christus auf einem Berg in besonderer, verklärter Form und mit den Propheten Mose und Elija sahen. Es gilt als Geheimnis des Glaubens. 

Geheimnis des Glaubens ist eine Akklamation, ein Zuruf des Priesters in der Messfeier der römisch-katholischen Kirche unmittelbar nach den Wandlungs- bzw. Konsekrationsworten. Als Einsetzungs- oder Konsekrationsworte bezeichnet man die Worte Jesu, welche er beim letzten Abendmahl gesprochen hat. 

Die versammelte Gemeinde antwortet darauf mit der Akklamation: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“. Jesus nimmt die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führt sie auf einen hohen Berg. Er stieg mit ihnen hinauf, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Jesus wird von überirdischem Licht, dem „Taborlicht“, überstrahlt, „verklärt“. 

Er hat sich vom Boden erhoben. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, sein Gewand wie Schnee. Mose, der Prophet, der das Volk der Israeliten auf einer vierzig Jahre währenden Wanderung aus der ägyptischen Sklaverei in das kanaanäische Land führte und Elija, der wichtigste Prophet nach Mose aufgrund seiner Standhaftigkeit in Zeiten von Unterdrückung und Götzenanbetung, drängen sich von rechts an ihn neben einer Unzahl großer und kleiner Engel. Im unteren Teil des Bildes lagern die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes. 

Das Leinwandbild der Verklärung Christi in einem schweren vergoldeten Kupferrahmen, das von 2 Engel gehalten wird, am Hochaltar der Stiftskirche Kremsmünster wurde vom Hofmaler des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, Andreas Wolff, in 12 Jahren 1712 geschaffen. Die Transfiguration des italienischen Malers Raffael war lange Zeit das berühmteste Gemälde der Welt.

Zisterzienser

Neben den Benediktinern leben auch die Zisterzienser nach der Regel des heiligen Benedikt. Die Zisterzienser sind ein katholischer Männerorden, der aus einer Reformbewegung im Benediktinerorden hervorgegangen ist. 

Woher stammt der Name Zisterzienser?

Das erste Zisterzienser Kloster entstand in der Gemeinde Saint-Nicolas-lès-Cîteaux in der Region Burgund. Dort gründete der heilige Robert 1098 ein Ordenshaus, in dem man nach einer strengeren Regel der Benediktiner, wie z.B. Abgeschiedenheit in entlegenen Tälern, Handarbeit und die Aufnahme von Laienbrüdern, lebte. Zisterzienser ist vom lateinischen Wort Cistercium des Mutterklosters Cîteaux abgeleitet. An der Pforte jedes Klosters stand „Cistercium Mater nostra“, Cîteaux ist unsere Mutter. Bekannte Zisterzienser Klöster in Österreich sind das Stift Heiligenkreuz seit 1133, das Stift Lilienfeld seit 1202, das Stift Schlierbach seit 1620, das Stift Wilhering seit 1146 und das Stift Zwettl seit 1138. Das erste Kloster der Zisterzienserinnen, St. Maria vor dem Stubentor in Wien, wurde vor 1228 von Herzog Leopold VI. gegründet. 1535 übersiedelte dieses Zisterzienserinnenkloster nach St. Bernhard bei Horn.

Die Babenberger waren ein österreichisches Markgrafen- und Herzogsgeschlecht. Sie herrschten von 976 bis 1246 als Markgrafen und Herzöge und schufen die Grundlagen des neuzeitlichen Österreich. 

Der Name Babenberger bezieht sich auf Bamberg im heutigen Oberfranken und wurde erstmals von dem deutschen Historiker, der hauptsächlich in Wien tätig war, wo er an der Universität Wien Theologie studiert hat, Ladislaus Sunthaym, systematisch verwendet. Ladislaus Sunthaym erarbeitete im Auftrag von Propst Jakob Paperl eine Genealogie und Geschichte der Babenberger, das auf illuminierten Pergamenttafeln, den Klosterneuburger Tafeln, in der Stiftskirche in Klosterneuburg ausgestellt wurde. Zwischen 1489 und 1492 schuf der Maler Hans Part ein dreiflügeliges Tafelbild für die Kirche, das den Stammbaum aufgrund von Sunthayms Werk mit Geschichten aus dem Leben der Babenberger anschaulich machte.

Babenberger-Stammbaum

Der Babenberger-Stammbaum ist ein dreiflügeliges Tafelbild aus der Werkstatt des Malers Hans Part, das zwischen 1489 und 1492 entstand. Das Bild ist acht Meter breit und vier Meter hoch. Es wird im Museum des Stiftes Klosterneuburg aufbewahrt und stellt alle männlichen Vertreter des Hauses Babenberg sowie die entsprechenden Ehegattinnen und einige Töchter dar.

Den Anlass für die Entstehung des Tafelwerkes bildete die Heiligsprechung des Babenbergers Leopold III., die 1485 stattfand. Der Stammbaum der Babenberger beginnt mit Leopold I., dem Durchlauchtigen, und endet mit Friedrich II. dem Streitbaren.

Die Legende der Belehnung des ersten Babenbergers, Leopold I., mit der Mark Österreich zeigt die Darstellung König Heinrich I., dessen Bogen während einer Jagd zerbrochen sein soll. Daraufhin soll Leopold I. dem König seinen eigenen Bogen gegeben haben, wodurch dieser den zu erbeutenden Hirsch erlegen konnte und zum Dank Leopold I. mit Österreich belehnte. 

Herzog Heinrich II. am Schottenstift in Wien
Denkmal von Herzog Heinrich II. am Schottenstift in Wien

Das Denkmal zeigt Herzog Heinrich II, der das Schottenstift 1158 gegründet hat, mit Blick auf den Bauplan, der ihm vom Architekt knieend gereicht wird. Neben seinem rechten Fuß findet sich ein Modell des Stiftes. Heinrich II., genannt Jasomirgott, wurde 1107 als ältester von sechs Söhnen des Markgrafen Leopold III. und seiner Gemahlin Agnes von Waiblingen, geboren. 1140 trat er als Pfalzgraf bei Rhein das salische Erbe seiner Mutter an. Die Kurpfalz lag an Ober- und Mittelrhein, zwischen Mosel und Kraichgau, mit dem Kerngebiet am unteren Neckar. Im Oktober 1141 starb sein Bruder Leopold IV., der deren Vater, Markgraf Leopold III. beerbt hatte, worauf  Heinrich II.  Markgraf von Österreich wurde.

 

 

 

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